zausel

Zausel 2


Auf dem Rückweg vom Klo kommt er an der Garderobe vorbei. Der selbe alte Zausel, wie immer, start ihn an.
»Hallo Hermann«, sagt er zu seinem Spiegelbild. Die Stimme kratzt im Hals. Ob sie auch so klingt, weiß er nicht. Die Hörgeräte sind – ja, wo sind sie eigentlich? Wahrscheinlich in der Nachttischschublade.
Hermann schlurft weiter den Flur entlang, vorbei an einem Stapel mit Aluschalen vom Essen auf Rädern. Jeden Mittag holt er sie in die Wohnung. Sein Lebenszeichen an die Welt da draußen.
Früher hat er mit Yussuv gescherzt, wenn er das Essen brachte. Manchmal haben sie im Hof eine Zigarette zusammen geraucht. Aber jetzt ist nicht mehr früher. Irgendjemand stellt das Essen vor die Tür. So sind die neuen Regeln.

Zurück im Wohnzimmer, setzt Hermann sich wieder in den Sessel. Vor ihm steht eine brennende Kerze und einige Fotos.
Sie waren ein schönes Paar bei ihrer Hochzeit vor mehr als fünfzig Jahren. Irmgard ist noch immer wunderschön mit ihren von Lachfältchen umkränzten Augen.
Hermann schaut sie an, konzentriert sich auf seine Hand und stellt sich vor, wie er ihre hält. Er konzentriert sich so sehr, dass sie es einfach spüren muss, dort am Ende der Straße in ihrem Krankenhausbett.
›Irmgard, meine Liebe, du bist nicht allein … und wenn du gehst, werde ich dir bald nachfolgen …‹


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2 Gedanken zu “Zausel