sperrmüll

Sperrmüll


Sperrmüll gehört demjenigen, der ihn rausgestellt hat und wird beim Abholen Eigentum des abholenden Unternehmens.
Etwas vom Sperrmüll zu nehmen ist Diebstahl. So will es das Gesetz.
Angesichts der wöchentlich im Blättchen eintreffenden Möbelprospekte scheint es manchen Menschen Spaß zu machen sich häufig neu einzurichten.
Bedauerlich, dass sie nicht auf die Idee kommen, ihre alten Möbel zu verschenken.
Aber was soll es schaden, wenn jemand der etwas brauchen kann, es vom Sperrmüll nimmt? (Damit meine ich nicht sinnloses herumwühlen und über die Straße verteilen.)
Angesichts der Gesetzeslage habe ich einmal jemanden total verwirrt. Ich fragte, ob ich mir ein Regalbrett mitnehmen darf, als der Besitzer noch weitere Teile dazustellte.
Die Antwort war ein brummeliges: »Steht doch da.«
Auch die Angestellten der Abholfirma sehen die Sache wohl nicht so extrem. Zu meinem Glück.
Vor einiger Zeit entdeckte ich ein Nachtschränkchen bei weiteren Möbeln eines alten Schlafzimmers. Es schien auf drei Beinen stehend geradezu auf mich zu warten.
Die Glasplatte, die eigentlich die Oberseite schützen soll, fehlte sicher bereits länger, sodass kleinere Kratzer im Holz hinterlassen wurden.
Ich fand, dass es gerade darum zu mir passt. Auch meine Haut trägt mittlerweile etliche Narben. Gelebtes Leben.
Leider hatte ich einen Arzttermin, beschloss aber, das gute Stück nachher mitzunehmen.
Auf dem Rückweg sah ich den Wagen des Abholunternehmens genau dort an der Straße stehen. Näherkommend entdeckte ich einen Mitarbeiter mit meinem Schränkchen auf dem Arm.
Die Fußgängerampel schaltete auf grün und ich rannte los, wobei ich wild mit den Armen ruderte.
Der »Müllmann« blieb stehen und hielt mir lachend das Nachttischchen hin. »Glück gehabt«, sagte er.
Atemlos rang ich mir meinen Dank ab.
Inzwischen hat das Schränkchen ein Ersatzbein bekommen und steht fest an einem Ehrenplatz – viel zu Schade zum Wegwerfen.

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