Schmerz

Schmerz


Ich habe Schmerzen. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche – ständig.
Immer schmerzen mein Nacken, Rücken, Hüften, Schultern, Daumen und Bauch. Zusätzlich wandert der Schmerz und lässt Arme, Beine, Füße, Hände und alles andere, täglich verschieden kombiniert, an dem Geschehen teilhaben.
In den letzten fünf Jahren habe ich sehr viele Ärzte aufgesucht. Die Schmerzen lassen sich in keiner Weise abbilden oder messen. Kein Laborwert, keine Röntgenaufnahme … nichts zeigt sie.
Ich erhielt nacheinander über zwanzig verschiedene Medikamente, die entweder keine oder nur Nebenwirkungen brachten.
Zum Schmerz kommen weitere Symptome, wie immense Erschöpfung, Schlafstörungen, Unkonzentriertheit, Geruchsempfindlichkeit und so weiter.
Neben Unverständnis stieß ich bei Ärzten auch oft auf Schuldvorwürfe. Ich solle mich einfach mal zusammenreißen und mehr bewegen.
Vielleicht habe ich auch darum vor anderen immer so getan, als sei alles in Ordnung oder Termine/Verabredungen nicht wahrgenommen.

Fibromyalgie

Irgendwann bekam ich eine Diagnose: „Lesen Sie doch mal im Internet nach, was da zu Fibromyalgie steht.“
An diesem Tag sind mir vor meinem Bildschirm die Tränen heruntergelaufen. Ich war so erleichtert: Ich bin nicht allein, andere haben ebensolche Schmerzen und Symptome.
An der Situation geändert hat die Diagnose nichts. Einige Ärzte sagen noch heute, ich würde nur spinnen, ja sogar, diese Krankheit gäbe es gar nicht. Dabei hat die Weltgesundheitsorganisation ihr eine Nummer nach der ICD* 10 zugeordnet, die M 79.7.
Die Krankheiten unter M gehören dem rheumatischen Formenkreis an. Fibromyalgie ist jedoch kein Rheuma. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die Schmerzen bei kaltem, feuchtem Wetter schlimmer werden. Trotzdem wurde ich auch zum Rheumatologen geschickt. Der drückte dann munter auf den sogenannten Tender Points herum, bis ich schrie und weinte.
Diese Punkte wurden nie zum diagnostizieren festgelegt, was aber auch weitere Mediziner nicht daran hinderte alle achtzehn ausführlich zu drücken. Immerhin habe ich die Diagnose nun schriftlich – vom Fachmann.

Keine Fibromyalgie mehr

In diesem Jahr wurde die ICD überarbeitet. In Deutschland wird sie 2022 in Kraft treten. Dann werde ich nicht mehr an Fibromyalgie leiden. Die neue Bezeichnung für meinen Zustand ist MG30.0 Chronic primary pain, was hier voraussichtlich als primärer chronischer Schmerz bezeichnet werden wird.
Vielleicht werde ich dann nicht mehr in verwirrte Gesichter schauen, wenn ich mich oute. Schmerzen hatte schließlich jeder schon einmal. Was es bedeutet permanent Schmerzen zu haben, können sicher nur wenige verstehen.
Ob nun Fibromyalgie oder primärer chronischer Schmerz, ich kann nur versuchen, das Beste aus meiner Situation zu machen.

Hilfe

Dabei nehme ich jede Hilfe an, die ich bekomme. Fürs Schreiben, gibt es Programme, denen ich diktieren kann, wenn meine Hände zu weh tun. Die Rechtschreibprüfung zeigt mir all die Flüchtigkeitsfehler an, die ich aufgrund der mangelnden Konzentration in den Text einbaue.
Inzwischen kenne ich zahlreiche Rezepte, die ich in weniger als 30 Minuten kochen kann, denn länger kann ich keine Arbeit am Stück ausführen.
Ich lerne noch immer, mich über das zu freuen, was ich schaffe – zuweilen gelingt es schon.
Wenn gar nichts mehr geht, sitze ich einfach nur da und freue mich über den blauen Himmel oder einen vorbeifliegenden Vogel.
Ja, ich weiß, das mit dem Blau wird sich bald ändern. Die kalte, feuchte Jahreszeit ist hart für mich.
Aber der Frühling wird auch im nächsten Jahr wieder einziehen. Ich weiß es ganz sicher :-)

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