SonneMond

Flatlay


Ich hatte wieder einmal Lust an einem Schreibwettbewerb teilzunehmen. Erst nachdem ich meine Geschichte von über 4.000 auf nur 2.000 Zeichen gekürzt hatte, fiel mir auf, dass ich auch noch ein Flatlay brauche.
Also habe ich nachgelesen, was das überhaupt ist: Ein Bild auf dem Gegenstände arrangiert sind, von oben fotografiert. Daraufhin produzierte ich mein erstes Flatlay.
Gewonnen habe ich nicht, trotzdem zeige ich Dir das Bild und den Text. Die Geschichte kommt dir vielleicht bekannt vor, denn ich habe die ungekürzte Version bereits vor einiger Zeit hier veröffentlicht.

 

Sonne/Mond

Lif seufzt aus tiefsten Innern, lässt alle Anspannung los und sinkt auf Bos Brust. Dort genießt sie seine Hände, die nun ihren Rücken streicheln.

Die Neonreklame auf dem Dach taucht das Motelzimmer in rötliches Licht.
Bo fährt mit der Fingerspitze behutsam die Linien auf Lifs Schulter entlang.
„Wie viele Tattoos hast du?“
„Ich weiß nicht. Das war mein Erstes.“

Dies stimmt nur bedingt. Ihr Allererstes hatte sie sich selbst in die Haut geritzt.

Bo hat die Sonne nachgezeichnet. Nun erkundet er den angrenzenden Mond.
„Was war der Anlass?“
„Stellst du hinterher immer so viele Fragen?“
„Nur, wenn mich die Frau interessiert.“
„Mit 16 fand ich es schön.“

Bei Mondlicht streifte sie unbeobachtet durch das Dorf. Die Spießbürger redeten jedoch nicht nur über sie.
Lif lernte die Bewohner der Öko-WG kennen, machte mit ihnen Musik, kochte, spielte …
Die Sonne zog in ihr Leben ein.
Dann wurde der WG-Vertrag gekündigt. Der schreckliche Schmerz über den Verlust wandelte sich in einen guten für das Tattoo.

„Was hat deine Mutter dazu gesagt?“
Lif streckt sich neben Bo aus. Sie spürt seine Muskeln, riecht seinen Duft, kostet die Nähe zu seinem Körper ganz und gar aus.
„Ich bekam vier Wochen Hausarrest. Währenddessen hat sie nicht mit mir gesprochen.“
„Aber doch wenigstens dein Vater?“
„Der war längst abgehauen.“
„Geschwister?“
„Ein Bruder. Sie haben gelacht, bis ich ins Zimmer kam. Dann wurde es totenstill.“

Lif weiß selbst nicht, warum sie so viel von sich preisgibt.
„Da habe ich mit meinem mehr Glück.“
„Erzähl’ mir von ihm.“
„Bei Alec habe ich noch heute das Gefühl, dass er auf mich achtet, obwohl er woanders lebt. Damals durften wir an dem Tümpel bei uns nicht spielen. Mit sechs bin ich reingefallen. Alec hat mich rausgezogen. Unsere Eltern wissen bis heute nichts davon.“
„Das ist schön“, murmelt Lif schläfrig.

Als sie am Morgen erwacht, ist sie allein.
Auf dem Bett liegt ein Zettel.
Ich will mehr von dir, deinem Körper, deinen Tattoos und den Geschichten dazu.

0189-523 76 78

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